
Der Verkehrs- und Verschönerungs-Verein der Stadt Burgdorf (VVV) trauert um Friedrich Karl Wiesener. Mit ihm verliert Burgdorf eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg das kulturelle Leben der Auestadt mit Ideenreichtum, Beharrlichkeit und großer Heimatverbundenheit geprägt hat. Er verstarb am 19. Februar 2026 im Alter von 96 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem kirchlichen Friedhof an der Uetzer Straße.
Der langjährige Marketingleiter der Stadtsparkasse Burgdorf, der Ende Januar 1992 in den Ruhestand trat, war weit mehr als ein engagierter Bankmitarbeiter. Er gehörte zu den Menschen, die ihre berufliche Tätigkeit mit einem außergewöhnlichen Gespür für Geschichte, Kultur und die Entwicklung ihrer Heimatstadt verbanden. Zahlreiche Initiativen, die heute selbstverständlich zum Bild Burgdorfs gehören, gehen auf seine Ideen zurück. Dabei war er ein leidenschaftlicher Förderer von Kunst und Kultur. Zudem kümmerte er sich drei Jahrzehnte lang um die Pflege des Grabes des 1859 verstorbenen Superintendenten Carl Philipp Johann Spitta auf dem Magdalenenfriedhof, der als Kirchenliederdichter weit über Burgdorfs Grenzen hinaus Anerkennung genießt. An sein Vorbild knüpft heute der VVV-Arbeitskreis Magdalenenfriedhof an.
Besondere Bekanntheit erlangte Wiesener durch sein intensives Engagement für die Kulturgeschichte des Spargels, der in Burgdorf seit jeher eine besondere Rolle spielt. Ausgehend von einem historischen Fundstück begann er in den 1980er Jahren, gezielt Objekte rund um die Spargelkultur zusammenzutragen – darunter Porzellan, Bestecke, Tafelsilber und viele andere Exponate. Innerhalb weniger Jahre entstand eine außergewöhnliche Sammlung mit weit über tausend Einzelstücken. Später gelangten die Exponate in öffentliche Hände und werden heute im Niedersächsischen Spargelmuseum in Nienburg bewahrt.
Auch im öffentlichen Raum hinterließ Friedrich Karl Wiesener sichtbare Spuren. Während seiner Zeit bei der Stadtsparkasse setzte er sich maßgeblich dafür ein, den Spittaplatz mit einem Brunnen zu bereichern. Das Ergebnis dieser Initiative ist der Wicken-Thies-Brunnen, dessen markante Figur des Schuhmachers – geschaffen von dem Bildhauer Dieter Läpple – längst zu einem beliebten Treffpunkt im Herzen der Stadt geworden ist.
Ein weiteres Beispiel für seinen Einsatz für das kulturelle Erbe der Stadt war die Rettung der bedeutenden Burgdorfer Zinnfigurensammlung. Die über Jahrzehnte vom Burgdorfer Realschullehrer Friedrich Schirmer zusammengetragene Sammlung drohte in Vergessenheit zu geraten, nachdem viele der Dioramen nach dessen Tod 1973 auf Dachböden von Schulen lagerten. Auf Initiative von Friedrich Karl Wiesener entschloss sich die Stadtsparkasse, die wertvollen Stücke zu sichern. Unter der Leitung des Lehrers Horst Hübner restaurierten Schülerinnen und Schüler der Orientierungsstufe in aufwendiger Kleinarbeit erste Dioramen. Unterstützt von Wiesener, seinem Sparkassenkollegen Manfred Pust sowie zahlreichen weiteren Helfern und Sponsoren konnte die Restaurierung fortgesetzt werden. Dieser Einsatz trug entscheidend dazu bei, dass Burgdorf heute über eine der bedeutenden Zinnfigurensammlungen Deutschlands verfügt, um deren Betreuung sich der VVV kümmert.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte sich Wiesener intensiv im Vereinsleben. Bereits seit 1964 gehörte er dem Verkehrs- und Verschönerungs-Verein der Stadt Burgdorf (VVV) an. Über viele Jahrzehnte blieb er dem Verein eng verbunden und brachte seine Ideen und Erfahrungen ein. Rund zehn Jahre lang wirkte er außerdem im Vorstand des VVV mit und prägte in dieser Zeit zahlreiche Projekte.
Eine seiner nachhaltigsten Ideen ist bis heute lebendig: Friedrich Karl Wiesener war der Initiator der Burgdorfer Sommernächte, die der VVV seit 1994 veranstaltet. Das stimmungsvolle Open-Air-Format entwickelte sich schnell zu einer festen Größe im kulturellen Veranstaltungskalender und zieht Jahr für Jahr zahlreiche Besucher in die Innenstadt.
Wer Wiesener kannte, erinnert sich an einen Menschen mit großer Kreativität, mit einem feinen Gespür für historische Zusammenhänge und mit der Hartnäckigkeit, gute Ideen auch gegen Widerstände zu verwirklichen. Sein Denken war stets auf die Zukunft seiner Heimatstadt gerichtet. Viele seiner Impulse haben Burgdorf nachhaltig bereichert. Sein Name bleibt überdies dauerhaft mit dem legendären Banküberfall des späteren Schauspielers Burkhard Driest auf die ehemalige Stadtsparkassen-Filiale am Celler Tor im Jahr 1965 verbunden, da er zu dieser Zeit deren Filialleiter war.