Til Mette-Ausstellung startete in KulturWerkStadt

12. Juli 2026

Til Mette-Ausstellung startete in der KulturWerkStadt:
Der „letzte große Dinosaurier“ in der Cartoonszene

Großes Besucherinteresse begleitete am Samstag die Eröffnung der vom VVV, dem Förderverein Stadtmuseum und der Stadt präsentierten Cartoon-Ausstellung „Til Mette – bunter wird’s nicht“ in der KulturWerkStadt. Sie präsentiert einen repräsentativen Querschnitt durch das Schaffen des 1956 in Bielefeld geborenen Cartoonisten, dessen vorwiegend schwarz-weiß gehaltene Arbeiten drei Jahrzehnte das Erscheinungsbild des Nachrichtenmagazins „Stern“prägten.

Der Kurator der Ausstellung, Bernd Schönebaum, arbeitete bereits fünfmal mit den Gastgebern zusammen und gab den Gästen zunächst einen Überblick über Til Mettes Werdegang und sein künstlerisches Profil. „Humor ist gerade in diesen Zeiten besonders wichtig, um sich von den täglichen negativen Nachrichten nicht runterziehen zu lassen und den Spaß am Leben nicht zu verlieren“, unterstrich Schönebaum. Vor seiner Einführung kündigte er an, dass Til Mette voraussichtlich Anfang August selbst nach Burgdorf kommt und in der KulturWerkStadt eine Signierstunde gibt. Ein genauer Termin ist rechtzeitig den Medien zu entnehmen.

Schönebaum berichtete, dass Til Mette nach seinem Abitur ein Lehramtsstudium für Kunst und Geschichte in Bremen absolviert hat und Mitte der 1980er Jahre Mitbegründer der Bremer „taz“ war. In dieser Zeit hatte er schon zahlreiche Cartoons in deutschen Zeitungen veröffentlicht. 1992 ging er mit seiner dort beruflich engagierten Ehefrau nach New York. Ab 1995 zeichnete er 30 Jahre lang Cartoons für den „stern“, der im Dezember 2025 die Zusammenarbeit aus Kostenersparnisgründen ebenso wie bei anderen Zeichnern aufkündigte. 2006 kehrte das Ehepaar Mette wieder nach Deutschland zurück. Bis dahin mussten die von Mette gezeichneten Cartoons per Kurier zur „Stern“-Redaktion nach Hamburg transferiert oder per Fax gesendet werden. „Er war der letzte große Dinosaurier in der Cartoonszene“, lautete Schönebaums Fazit zu dieser drei Jahrzehnte währenden Zusammenarbeit. Weiterhin tätig ist er für den Bremer Weser-Kurier.

Nach dieser Einleitung führte Schönebaum die Besucher durch die Ausstellung und erläuterte die Besonderheiten des Werks von Til Mette. Anhand ausgewählter Cartoons machte er deutlich, wie der ehemalige „Stern“-Zeichner mit feinem Strich und pointiertem Humor gesellschaftliche und politische Themen ebenso wie die kleinen Absurditäten des Alltags aufgreift. Dabei verbinden seine Zeichnungen Sprachwitz, Ironie und subtile Gesellschaftskritik. Als einen seiner Lieblingscartoons bezeichnete Schönebaum eine Szene mit zwei Jägern und einem Hund, wobei der eine Jäger genervt, weil das Wild einen großen Bogen um die beiden macht zu dem anderen sagt: „Ich hab´ keinen Bock mehr. Lass uns doch einfach den Hund abknallen“. Während des Rundgangs blieb immer wieder Zeit, einzelne Cartoons genauer zu betrachten und über ihre oft doppeldeutigen Aussagen ins Gespräch zu kommen. Viele Besucher reagierten mit spontanem Lachen, andere nahmen sich bewusst Zeit, die hintergründigen Pointen auf sich wirken zu lassen.

Zu sehen ist auch, wie der Künstler in seinem Atelier von der Ideenskizze über die Vorzeichnung seine druckfertigen Cartoons entwickelt. Vergrößerte Ansichten von Mettes Instagram-Account berichten von einem Reisetrip, den Til Mette im Mai dieses Jahres nach Spanien unternahm. Dabei zeigen die einzelnen Szenen, wie er unterwegs spontane Zeichnungen angefertigt und sehenswerte Fotos der am Reiseweg liegenden Örtlichkeiten gemacht hat. Dass Til Mette auch ein begabter Maler ist, spiegeln zwei ausgestellte Gemälde von ihm wider, die 1998 in New York entstanden.

Die Ausstellung ist freiem Eintritt sonntags bis zum 6. September von 14.00 bis 17.00 Uhr zu sehen. Am letzten Tag öffnet die Schau zum Kunstmarkt und zur Kunstmeile von 12.00 bis 18.00 Uhr.