Premiere der Komödie „Der dressierte Mann“ am 29. März 2019 im JohnnyB. / Weibliche List trifft auf männliches Potenzgehabe:
Ein rasanter Salto Mortale um Emanzipation, Partnerschaft und Ehe

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Das VVV-Theater lädt am Freitag, 29. März 2019, zur Premiere der turbulenten Komödie „Der dressierte Mann“ von John von Düffel nach dem Beststeller von Esther Vilar ein.  Regie führt Line Polomski.  Als Co-Regiesseurin  fungiert Birgit Hübert.  Vorstellungsbeginn ist um 20.00 Uhr im Theatersaal des JohnnyB. (Sorgenser Straße 30). Weitere Aufführungen folgen am Samstag, 30. März, 20.00 Uhr,  Sonntag, 31. März, 15.00 Uhr, Freitag, 5. April, 20.00 Uhr und Samstag, 6. April, 20.00 Uhr. Theaterkarten sind bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Tel. 05136 – 1862, erhältlich. Für VVV-Mitglieder gibt es Ermäßigungen.

Karrieresprung führt zu Beziehungskrise


Zur Bühnenhandlung: Bastian (Julian Schmidtmann) will seiner Freundin Helen (Rhonda Neumann) bei einem Candlelight-Dinner einen Heiratsantrag machen. Er ist ein moderner Mann, der eine Partnerschaft auf Augenhöhe befürwortet. Nun kommt an dem besagten Abend Helen nicht nur zu spät nach Hause, sondern auch noch mit der Neuigkeit, dass der Bankvorstand ihr – und nicht Bastian, der selber darauf spekulierte – den Chefposten mit dem zehnfach höheren Gehalt angeboten hat. Es gab nur eine Bedingung:  keine Schwangerschaft, wenn sie von der Karriereleiter nicht ganz schnell wieder abstürzen will. Bastian ist geschockt, denn Helen, eben noch Azubi und von ihm gefördert, ist jetzt oben und er unten. Hinzu kommt das Fortpflanzungsverbot, da fühlt MANN sich doch als totaler Versager! Das hält der stärkste Mann nicht aus – er zieht seinen geplanten Heiratsantrag zurück und der Haussegen hängt schief.


Die Mütter greifen ins Geschehen ein


Kurz nachdem er die Wohnung verzweifelt verlassen hat, stehen die Mütter des Pärchens in der Tür. Helens Mutter Konstanze (Angela Düchting) ist eine mit allen Finessen weiblicher Schattenkriegsführung beschlagene, bereits zum dritten Mal verheiratete Zahnarztgattin.  Bastians Mutter Elisabeth (Jenny Polomski) kämpfte einst als 68er Hardcore-Feministin für die totale Frauenemanzipation und vertritt heute völlig neue, wissenschaftlich fundierte Positionen dazu. Sie sind beide keine Frauen, die bei einer geplatzten Verlobung klein beigeben,  und haben jeweils sehr persönliche Gründe, warum Helen und Bastian unbedingt den Bund der Ehe schließen müssen.
Damit dafür überhaupt eine Chance besteht, verpassen die Frauen dem betrunken heimkehrenden Bastian ein richtiges Blackout,  klären Helen darüber auf, wie das Prinzip Ehe heute funktioniert und was es mit dem dressierten Mann auf sich hat.  Helen erhält einen Crash-Kurs, wie FRAU sein muss, um ihre Ziele zu erreichen. Und als Bastian wieder zu sich kommt, ist alles anders …  Geht die Taktik der beiden Mütter auf? Kann ein Mann wirklich dressiert werden?


Die Mär vom bösen Mann


Esther Vilars Streitschrift „Der dressierte Mann“ erschien 1971 und war für die feministische Bewegung ein Affront. Die argentinisch-deutsche Schriftstellerin hielt es für unter ihrer Würde, Frauen allein in der Opferposition zu sehen. Sie deckte Mechanismen weiblicher Machtausübung auf und sabotierte die Mär vom bösen Mann. Da nicht sein kann, was nicht sein darf,  musste die Autorin von Teilen der Presse scharfe Attacken erdulden und erhielt sogar Morddrohungen. Wer einen Eindruck von den verhärteten Fronten der damaligen Zeit gewinnen will, mag sich das legendäre TV-Duell Alice Schwarzer vs. Esther Vilar aus dem Jahr 1975 anschauen.
Nahezu zwei Generationen später stützt sich John von Düffel auf Vilars Thesen und lotet in seiner 2011 uraufgeführten Komödie mit großem Vergnügen die alte Frage neuerlich aus: Wer dominiert wen? Die Komödie kommt letztlich zum Schluss, dass die alten Ideologismen nicht mehr so recht greifen, ihnen etwas Anachronistisches anhaftet. Hier setzt das Lachen ein. Die Zuschauer erleben einen pointierten witzig-charmanten Salto Mortale rund um die Themen Emanzipation, Partnerschaft und Ehe.