Ausstellung in der KulturWerkStadt vom 5. September bis 24. Oktober/
Vom Wanderkino zum Filmtheater mit Kultcharakter:
„Zweimal Sperrsitz bitte – 90 Jahre Schauburg-Kino“

„Zweimal Sperrsitz bitte – 90 Jahre Schauburg-Kino“: so lautet der Titel der Ausstellung,  die der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt vom Sonntag, 5. September, bis Sonntag, 24. Oktober, in  der KulturWerkStadt (Poststraße 2) zeigen. Sie richtet den Fokus auf das in diesem Jahr zu feiernde 90-jährige Bestehen von Burgdorfs Kultkino, das sich seit Jahrzehnten gegen die Konkurrenz der großen Filmpaläste und des Fernsehens durchsetzt.  Fördernde Unterstützung kommt von der Region Hannover und der Stadtsparkasse Burgdorf. Die Schau ist bei freiem Eintritt sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Sonderöffnungszeit zum Verkaufsoffenen Sonntag  am 5. September und 10. Oktober: 12.00 bis 18.00 Uhr. Beim Museumsbesuch gelten die aktuellen Corona-Hygiene- und –Abstandsregeln.
 

Eröffnung am 1. Weihnachtstag 1931

Am 1. Weihnachtstag 1931 eröffnete der Kaufmann Georg Hahne das Schauburg-Kino in der Feldstraße 2a in einem ehemaligen Lager der Burgdorfer Konservenfabrik. Zuvor hatte er fünf Jahre ein mobiles Wanderkinos betrieben. Seinen Wunsch, ein festes Kinos einzurichten,  konnte er mit der finanziellen Unterstützung seines Bruders Wilhelm Hahne, der als Schneidermeister in Lehrte tätig war, realisieren.

Kinoboom in der Nachkriegszeit

Einen regelrechten Aufschwung erlebten die Filmtheater nach dem Zweiten Weltkrieg. In Burgdorf gab es zu dieser Zeit neben der Schauburg noch ein anderes Kino: das Vor dem Hannoverschen Tor angesiedelte Astoria-Theater (1968 geschlossen).  1957 kam noch das Central-Kino hinzu, das sich in der Marktstraße in einem nach seiner Schließung im Jahr 1969 abgerissenen Gebäude befand, auf dessen Grundstück die Sparkasse Hannover einen Neubau errichtete. Die Menschen strömten allabendlich in die Kinos, um wenigstens für ein paar Stunden die Alltagssorgen in den Nachkriegsjahren zu vergessen. Zum 20-jährigen Bestehen des Schauburg-Kinos im Jahr 1951  sorgte Wilhelm Hahne dafür, dass es erste Modernierungsmaßnahmen in der Schauburg gab, die die Bildwiedergabe, die Beheizung und die Akustik verbesserten.  In den fünfziger Jahren richteten die Hahnes bei beliebten Filmen einen Buspendelverkehr in die Dörfer der Umgebung ein, um die Kinobesucher nach Burgdorf zu befördern. Die „Kasparbahn“ ließ sogar einen Kinozug nach Burgdorf fahren, um auch den Hänigser Einwohnern einen Kinobesuch zu ermöglichen.

Rückzug von Georg Hahne im Jahr 1962

Ende 1962 zog sich Georg Hahne aus dem Kinogeschäft zurück, lebte aber bis zu seinem Ableben am 30. März 1972 weiter in der Wohnung über dem Eingangsbereich des Kinos.  Sein Bruder Wilhelm und dessen Ehefrau Elisabeth übernahmen nun die alleinige Verantwortung für die Schauburg und gaben ihren Schneidereibetrieb in Lehrte auf.  Zu dieser Zeit machte sich für die Kinobetreiber die aufkeimende Konkurrenz durch das Fernsehen immer stärker bemerkbar.  Wenn früher die 334 Zuschauer fassende Schauburg noch öfters ausverkauft war, so gab es jetzt in den Zuschauerreihen ziemlich häufig größere Lücken.  Alle Kinoplätze waren nur noch bei der Aufführung von Monumentalfilmen voll besetzt, z.B. bei überlangen Streifen wie "Doktor Schiwago", "Die Giganten" mit James Dean oder "Spiel mir das Lied vom Tod" mit Charles Bronson.

Seit 1995 „Neue Schauburg“

Seit 1969 war die Schauburg das einzige Kino in der Stadt. 1970 zog das Ehepaar Hahne in die Wohnung über dem Kino ein und vereinte somit endgültig ihr Arbeits- und Wohnumfeld. Wilhelm Hahne verstarb am 4. September 1990. Elisabeth Hahne führte nun die Schauburg mit Unterstützung von ihrer Tochter Heidrun Lindemann und ihrem Enkel Christian weiter, bis sie am 27. Dezember 1997 nach jahrelangem Kampf einer schweren Krankheit erlag. Zwei Jahre zuvor konnte sie noch einen grundlegenden Umbau ihres Kinos in die Wege leiten. Statt der 334 Klappsitze standen nun für die Besucher 220 rot gepolsterte, bequeme Luxussessel mit viel Beinfreiheit bereit. Auch das Foyer zeigte sich in neuem Glanz. Der neue silbergraue Vorhang, Ornamente an den Decken und die rote Samtbespannung an den Wänden des Kinosaales erinnerten an die großen Kinopaläste vergangener Zeiten. Dazu trugen auch die nostalgischen Wandleuchten bei. Die Bühne erhielt zudem eine neue 8,7 m mal 4 m große Leinwand. Elisabeth Hahnes Sohn Volker beteiligte sich maßgeblich an der durch die Stadt geförderten Neugestaltung des Kinos und sorgte mit dafür, dass das Ambiente der fünfziger Jahre erhalten blieb.  Das Kino firmiert seitdem als „Neue Schauburg“.  In den 1990er Jahren folgten etliche deutsche Filmstars einer Einladung Elisabeth Hahnes, die zur Burgdorfer Premiere ihrer Filme kamen. Darunter befanden sich André Eisermann („Schlafes Bruder“, 1995), Kai Wiesinger („14 Tage lebenslänglich“, 1997) und Heike Makatsch („Obsession“, August 1997).

Regelmäßige Auszeichnungen

Die „Neue Schauburg“ erhält seit 1998 regelmäßig den Jahresfilmprogrammpreis der „Nordmedia“-Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen. Im Jahr 2008 ehrte die Stadt  Elisabeth Hahne posthum mit einem eigenen Straßennamen, der „Elisabeth-Hahne-Straße“.  Die Neue Schauburg stellte sich 2011 im Jahr seines 80-jährigen Bestehens auf digitale Abspieltechnik um.  Bis Ende 2015 leitete Elisabeth Hahnes Tochter Heidrun Lindemann das Kino.  Dabei unterstützten sie ihr Ehemann Barthold und Sohn Christian. Dieser übernahm am 1. Januar 2016 die alleinige Leitung des Kinos. Neben dem regulären Filmprogramm lädt die „Neue Schauburg“ zu Sondervorstellungen in Zusammenarbeit mit Schulen, Amnesty International oder Scena – Kulturverein im VVV ein. Lesungen mit bekannten Autoren, Stummfilmmatineen und spezielle Dokumentationen komplettieren das Filmangebot.  

Neben Schautafeln zur Burgdorfer Kinogeschichte und der 90-jährigen Schauburg-Historie präsentiert die Ausstellung historische Kinotechnik und Kinostühle aus früheren Zeiten sowie sehenswerte Plakate und Aushangfotos zu den Filmen, die über die Leinwand der Schauburg flimmerten.  Viele Exponate kommen vom Kinobetreiber Christian Lindemann. Sie bieten bisher nur selten in der Öffentlichkeit vorgestellte Einblicke in die Geschichte  des mittlerweile in der 3. Generation geführten Familienbetriebs. Zeitzeugenberichte von Besuchern, die sich durch besondere Erfahrungen in den letzten Jahrzehnten mit dem Schauburg-Kino verbunden fühlen, runden die Ausstellung ab.