Neuer Arbeitskreis richtet den Fokus auf das
letzte Zeugnis des Burgdorfer Mühlenhandwerks:
VVV betreut die Sorgenser Bockwindmühle


Die Mitglieder der Projektgruppe zur Gründung eines neuen VVV-Arbeitskreises „Sorgenser Bockwindmühle“ vor der 335 Jahre alten Anlage, von unten nach oben, Halina Adolph,  Reiner Lukas, Helmut Steinseifer, Jürgen Lange, Gerhard Bleich und Christoph Adolph

Über 15 Mühlen prägten bis in das 19. Jahrhundert das Landschaftsgebiet in der Burgdorfer Region. Letztes Relikt dieser vielfältigen Mühlenkultur ist die Sorgenser Bockwindmühle an der Otzer Landstraße.  Ihre Betreuung hat die Stadt Burgdorf als Eigentümerin vor kurzem an den VVV übertragen, der dafür die Gründung eines weiteren Arbeitskreises plant. Vorgesehen ist,  künftig regelmäßige Führungen für Gruppen und Schulklassen anzubieten.  Zudem übernimmt der VVV die Organisation der Veranstaltungen zum jährlichen Mühlentag,  den die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) seit bald 30 Jahren traditionell am Pfingstmontag  mit über 900 beteiligten Mühlen bundesweit organisiert.  Die Sorgenser Bockwindmühle soll darüber hinaus verstärkt im Fokus der Öffentlichkeitsarbeit des VVV stehen. Zur Leitung von Führungen, zur Aufarbeitung der Geschichte sowie zur technischen Betreuung sucht der VVV nun ehrenamtliche Mitarbeiter.  Wer sich für eine Beteiligung am neuen Arbeitskreis interessiert, findet unter der Telefonnummer 05136 – 1862 einen Ansprechpartner in der VVV-Geschäftsstelle.

Die im Jahr 1686 entstandene Sorgenser Mühle ist von allen Himmelsrichtungen her zu sehen und setzt seit 335 Jahren einen markanten Akzent im  Landschaftsbild. Zudem stellt sie die letzte Mühle im Altkreis Burgdorf dar, die noch mit natürlicher Kraft gemahlen hat.  Zu grundlegenden Erneuerungsarbeiten kam es 1783 durch den Müller Bodenstab. Dessen Familie betrieb fast 200 Jahre die Bockwindmühle, bevor der letzte Müller dieses Namens  am 13. Oktober 1882 tragischerweise nach einem Gasthausbesuch in der Aue ertrank.  

Zweieinhalb Jahrhunderte versorgte die Sorgenser Bockwindmühle die Bevölkerung mit Mehl. 1960 stellte die seit 1918 von der Müllerfamilie Schwenke geführte Mühle den Betrieb ein.   Bereits 1921 richtete die Familie neben dem Lokal eine jahrzehntelang beliebte Gastwirtschaft ein. Deren letzter Pächter war von 2011 bis 2016 der Koch Jens Wallmann.

Um die Bockwindmühle zu erhalten, stellte sie die Bezirksregierung 1980 unter Denkmalschutz. In das Eigentum der Stadt ging die Mühle 1985 über. Sie ließ zunächst den baulichen und technischen Zustand untersuchen. Um den Baukörper, die Flügel und das Mahlwerk wieder in einen betriebsfähigen Zustand zu bringen,  fanden bis zum Jahr 1988  u.a. von einem Celler Unternehmen übernommene Sanierungsarbeiten statt.  Dieselbe Firma sorgte dafür, dass die Mühle genau dreißig Jahre später – vom April bis Mai 2018 - originalgetreu nachgebaute neue Flügel erhielt.