Magdalenenfriedhof soll noch attraktiver werden



Als Spiegel unserer Kulturgeschichte haben gerade historische Friedhöfe wie der Magdalenenfriedhof eine große Bedeutung und sind als gesellschaftliches Gemeingut unbedingt erhaltungswürdig.  Um dies langfristig zu gewährleisten, bereitet der VVV aktuell in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Burgdorf die Gründung des neuen Arbeitskreises  Magdalenenfriedhof vor. Ziel ist eine dauerhafte Attraktivitätssteigerung der an der Hochbrücke liegenden historischen Friedhofsanlage mit ihren stadtgeschichtlich bedeutsamen Grabmälern.  Ansprechpartner sind Jürgen Lange (Tel. 05136 – 976 9000), Dr. Matthias Schorr (Tel. 05136 – 6624) und Gerhard Bleich (Tel. 05136 – 1862).  Wer an einer ehrenamtlichen Mitarbeit im neuen Arbeitskreis interessiert ist, kann sich an die drei Ansprechpartner wenden.

Ein lebendiger Ort kultureller Aktivitäten

Der Magdalenenfriedhof ist nicht nur ein Zeugnis historischer Bestattungskultur, sondern auch ein lebendiger Ort der kulturellen Begegnung.   So finden dort seit 2011 vom Stadtmarketing-Verein organisierte thematische Stadtführungen statt,  die großen Anklang finden.  Scena −  der Kulturverein im VVV −  nutzt die Friedhofskapelle seit 2008 für seine Kunstausstellungen. Bis in die 1980er Jahre öffnete die  Kapelle für Konzerte und Gottesdienste. 

Der neue VVV-Arbeitskreis soll den Weg dafür ebnen,  dass weitere kulturelle Aktivitäten auf dem Friedhof stattfinden können −  beispielsweise im Rahmen einer für 2021 vorgesehenen Veranstaltungsreihe mit dem Motto „Natürlich Kultur!“.  Vorgesehen sind auch Lesungen und Konzerte.  Auf der Agenda steht als weiteres Vorhaben die Aufgabe, markante Grabstellen frei zu schneiden, herauszustellen und zu markieren. Zudem sollen Flyer über den Friedhof veröffentlicht und Hinweistafeln aufgestellt werden.  Darüber hinaus ist geplant,  im Internet verstärkt auf die Bedeutung des Friedhofs hinzuweisen und eine Ausstellung vorzubereiten.

Friedhof entstand im Jahr 1584

Der Magdalenenfriedhof ist die älteste erhaltene historische Begräbnisstätte Burgdorfs. Als Relikt des ausgehenden 16. Jahrhunderts trotzte sie allen baulichen Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte und überstand auch den Bau der Hochbrücke in den 1970er Jahren mit größeren Flächeneinbußen.  Im Jahr 1584 eröffnete die Burgdorfer Kirchengemeinde den neuen Friedhof vor dem damaligen Preentor (heute: Bahnhofstraße).  Nach einer Pestepidemie entlastete sie damit den bis 1801 weiterhin genutzten Kirchhof um die St. Pankratius-Kirche als Grabstätte.  Die aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg stammende Gräfin Magdalene von Bentheim-Steinfurt (1540-1586) verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Burgdorfer Schloss. Sie stiftete 1583 eine später nach ihr benannte Kapelle auf dem neuen Friedhof und gab ihm damit seine bis heute gebräuchliche Bezeichnung. 1815 musste die Friedhofskapelle wegen Baufälligkeit abgerissen werden. 1869 entschied sich der städtische Magistrat für einen Neuaufbau im Stil der Gründerzeit, der sich in seiner damaligen Gestaltung bis heute erhalten hat.

Mehr als 630 Grabstellen

Die historische Gräberanlage beherbergt mehr als 630 identifizierbare Grabstellen. Unter ihnen befinden sich die letzten Ruhestätten vieler prominenter Persönlichkeiten der Stadt.  Zu ihnen gehören der Burgdorfer Superintendent und bekannte Kirchenliederdichter Carl Johann Philipp Spitta (gestorben 1859), die Mitglieder der Unternehmerfamilie Niemack und der 1931 verstorbene Bürgermeister Heinrich Schuster, in dessen fast 40-jährige Amtszeit der Bau des ersten und einzigen städtischen Elektrizitätswerkes im Jahr 1895 fiel. Dessen als Obelisk gestaltetes Grabmal hat kein vergleichbares Pendant auf dem Friedhof. Zu den ältesten auf dem Friedhof erhaltenen Grabmälern zählen u.a. die des 1753 verstorbenen Heeßeler Kirchenvorstehers Henning Kracke,  des 1798 verstorbenen Obristen Christian Adam Marschall von Bieberstein  und des Burgdorfer Drosten Johann Friedrich vom Ompteda, der 1810  verstarb und ein Jahr vor seinem Ableben eine detaillierte Beschreibung des Burgdorfer Brandinfernos von 1809 hinterließ.  Seit 1987 steht der Magdalenenfriedhof unter Denkmalschutz. Schon seit den 1960er Jahren finden keine regulären Begräbnisse mehr auf dem Magdalenenfriedhof statt.