Eine packende Kriminalgeschichte und ein erschütterndes Zeitbild

Die aktuelle Spielzeit mit Gastspielen des Theaters für Niedersachsen (TfN) im Theater am Berliner Ring geht am Freitag, 24. Januar, um 20.00 Uhr mit dem Schauspiel „Jugend ohne Gott“ nach dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horvath weiter. Gastgeber sind der VVV und die Stadt Burgdorf.  Die Bühnenfassung stammt von Alice Asper, die auch für die Inszenierung verantwortlich ist.  In den Hauptrollen sind Dennis Habermehl, Michaela Allendorf, Simone Mende,  Jonas Kling,  Jonas Nowack,  Emma Henrici,  Karla Hennersdorf und Martin Schwartengräber zu sehen.    Um 19.30 Uhr findet eine kostenfreie Einführung in die Bühnenhandlung statt. Theaterkarten gibt es bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Tel. 05136 – 1862, und über die Internetseite www.vvvburgdorf.de.  Mitglieder des VVV erhalten Ermäßigungen.

Teilnahmslose Mitläufer

„Jugend ohne Gott“ gilt heute als eines der Hauptwerke der deutschen antifaschistischen Literatur.  Im Mittelpunkt steht ein namenloser Lehrer, der im nationalsozialistischen Deutschland Mitte der 1930er Jahre Geschichte und Geografie an einem Gymnasium unterrichtet. Unter Verleugnung seiner humanistischen Ideale, die als „Humanitätsduselei“ verspottet werden,  muss er die Jugend „moralisch zum Krieg“ erziehen. Seine Schüler werden ihm fremd, da sie sich scheinbar problemlos mit dem neuen entmenschlichten System des „Dritten Reiches“ arrangiert haben und dabei zu teilnahmslosen Mitläufern degeneriert sind, denen jede Vorstellung von moralischen Werten abhanden gekommen ist. Als in einem vormilitärischen Ausbildungslager ein Schüler gewaltsam ums Leben kommt, muss der Lehrer eine existentielle Entscheidung treffen: Den Weg der Anpassung und des Schweigens weitergehen, oder aber die Wahrheit sagen und damit sein Leben gefährden?

Eine verlorene Jugend

In seinem 1937 abgeschlossenen dritten Roman entspinnt der österreichisch-ungarische Schriftsteller Ödön von Horváth eine packende Kriminalgeschichte und zeichnet gleichzeitig ein scharfes und erschütterndes Bild seiner Zeit, das unserer heutigen nicht weit entfernt scheint. Horváth schildert die Kälte, die Verlogenheit und den Populismus der Gesellschaft, in der eine verlorene Jugend heranwächst. Die Fragen des Lehrers nach Verantwortung, Moral und der Notwendigkeit eigenen Handelns stellen sich heute genauso drängend wie damals. Durch die Verfilmung mit Fahri Yardim und Iris Berben aus dem Jahr 2017 war der Roman wieder in aller Munde.